6. Spieltag - 160 Kilometer und 4 Punkte

Es ist Januar, es schneit – eine gute Gelegenheit, um einmal die Sächsische Schweiz zu bereisen. 80 Kilometer hin, spielen, 80 Kilometer zurück und um 22 Uhr, nachdem alle Spieler zu Hause abgeliefert worden waren, endlich im trauten Heim. Dazwischen war viel passiert, davon nun mehr.

Die Rahmenbedingungen waren nicht sonderlich gut. In der kalten Turnhalle kamen wir gegen den Gastgeber zunächst nicht gut ins Spiel. Vor allem in der Annahme zeigten wir ungewohnte Schwächen. In der Feldabwehr hielt Basti noch seinen Winterschlaf (das sollte später viel besser werden) und die Mannschaft schwebte zwischen Abwesenheit und Lethargie. Königstein spielte nicht viel besser, schaffte es aber wenigstens, die Bälle über das Netz zu bringen. Damit ist zu der grausigen Vorstellung schon zu viel gesagt (20:25), im zweiten Satz sollte alles (etwas) besser werden. Von Beginn an in Führung liegend, tat sich nun was auf unserer Seite. Auch wenn nicht immer alles klappte, bewegten wir uns wenigstens und schafften die eine oder andere Ballberührung mehr. Christoph brachte Königstein mit seinen guten, harten Aufschlägen extrem in Bedrängnis und schon war der Satz gewonnen (25:15).

Satz drei und vier verliefen ähnlich. Wir spielten immer besser, lagen eigentlich immer in Führung, und punkteten auf allen Positionen: die beiden Mitten beschäftigten den starken Mittelblock, Martin und Basti auf Außen konnten schöne Punkte erzielen und auch Christoph nutzte seine Körpergröße auf Diagonal. Königstein holte nur 14 bzw. 18 Punkte, spielte aber ab und zu schöne Angriffe über die Mitte, die wir erst zum Ende des vierten Satzes unterbinden konnten.

Im Spiel zwischen Königstein und Stolpen überraschten erst einmal die Burgstädter. Völlig souverän gewannen sie die beiden ersten Sätze, ehe sie dann einbrachen. Es folgten drei klare Sätze der Königsteiner, die das Spiel mit 3:2 nach Hause fuhren.

Nun mussten wir gegen Stolpen ran. Die Burgstädter waren mit unserer Schiedsrichterleistung nicht einverstanden und gingen entsprechend motiviert in die Partie. Um es vorweg zu nehmen: Stolpen provozierte fleißig, regte sich über das gut leitende Schiedsrichtergespann und natürlich uns, den Gegner, kräftig auf. Das sollte uns bis zum Ende begleiten.

Satz eins war eng. Keine der beiden Mannschaften konnte sich in irgendeiner Phase mal absetzen. Dass einer zweimal zum Aufschlag musste, blieb eine Seltenheit. Am Ende des Satzes waren wir voll da, blockten und holten in der Abwehr zwei Bälle. Martin machte frisch eingewechselt zwei starke Aufschläge und wir hatten den Satz mit 25:23 gewonnen.

Der zweite Satz blieb spannend. Gleich zu Beginn holten wir uns dank zweier Miniaufschlagserien von Basti und Jens einen kleinen Vorsprung, den Stolpen erst Mitte des Satzes wieder ausgleichen konnte. Wir waren zwar gut in der Partie, Stolpen spielte jetzt aber nicht wie ein Tabellenvorletzter, sondern setzte uns gewaltig unter Druck. Zum Satzende hin gingen sie sogar in Führung, weil, wie an diesem Tag üblich, unsere Annahme wieder etwas schwächelte. Jetzt wurde es so richtig kurios. Stolpen führte, wir glichen aus und holten uns die Führung zum 23:22. Christophs Aufschlag brachte keinen Punkt für uns, sondern für den Gegner: 23:23. Der nächste Ballwechsel endete mit einem „Aus“ gegen Stolpen, nur der zweite Schiri hatte eine Ballberührung unsererseits gesehen. Der Erste holte sich Matze heran, der in seiner ehrlichen Art den Tusch zugab. Stolpen nahm diese Charakterstärke noch nicht mal zur Kenntnis. Als konzentrierter Leser sollte man meinen, es stände nun 23:24. Irrtum, es stand plötzlich 23:25! Eine unglaubliche Situation. Unser Kapitän ging an den Schreibertisch, fragte nach, und siehe da, im Protokoll stand ein 23:23 (der letzte Punkt war auch noch nicht einmal eingetragen). Wie löst man das Problem? Richtig: man macht einfach zwei Striche bei 24 und 25!

Egal! Wir besannen uns auf unsere Stärken, beschränkten das Diskutieren auf dem Feld auf ein Minimum und siehe da, es lief. Jetzt hatte jeder Spieler bei uns eine Aufschlagserie, besonders Ötsch baute den Vorsprung mit seinem Service aus. Nach dem klaren 25:11 ging es in einen extrem heißen vierten Satz. Stolpen hatte umgestellt. Am Anfang ging ihr Konzept auf (3:7). Wir kamen mit ihrer starken Angriffsreihe nicht zurecht, konnten uns dann aber gegen ihre „kleine“ Aufstellung am Netz wieder heran kämpfen. Dann kam es fast zum Eklat. Matze bejubelte einen wunderschön herausgespielten Punkt lautstark am Netz, was Stolpen auf die Palme brachte. Die Kapitäne fanden sich kurze Zeit später beim Ersten wieder und erhielten beide eine (Team-)Ermahnung. Bei uns kehrte nun endlich Ruhe ein. Patrick, sich vor Schmerzen quälend, motiviert von der Aussicht auf das baldige Ende der Partie, holte noch einmal alles raus und Basti, spätestens jetzt in Topform, legte bzw. haute dem Gegner die Bälle nur so um die Ohren. Libero Frank kratzte einige Bälle noch vom Boden und wir spielten jeden Angriff konzentriert zu Ende. Stolpen holte zwar noch einmal auf, aber wir machten den Sack mit 25:23 zu.

Was lernt man aus so einem Spieltag? Das Schiedsgericht der Mannschaft, dessen zweiter Schiedsrichter nicht ein einziges Mal während der gesamten Partie klare Netzberührungen abpfeift und deren Linienrichter teilnahmslos die Wand anstarren, darf sich in den beiden anderen Partien am meisten aufregen. Die klarste Entscheidung des Spieltags wird am heftigsten diskutiert. Wir kennen diese Situationen aus eigener Erfahrung, man kann sich da gut selber hineinversetzen. Allerdings dürfen die Grenzen des Fairplays dabei nie überschritten werden. Obwohl wir, nicht zuletzt durch Ollis gnadenlose Schulung, als Schiedsgericht gut funktionieren (u.a. machen die Linienrichter immer gut mit), müssen wir in Zukunft noch konsequenter auf dem Feld für Ordnung sorgen – und sei es durch Sanktionen. Seit heute kann selbst Matteo Gelbe und Rote Karten zeigen. Um die Zukunft brauchen wir uns also keine Gedanken machen.

Boxdorf: Frank, Patrick, Oetsch, Jens, Chistoph, Basti, Matze, Martin (21.1.12)

Königsteiner VG - Boxdorfer VC 1:3 (20, -19, -14, -18)
Königsteiner VG - SV Blau-Gelb Stolpen 3:1
Boxdorfer VC - SV Blau-Gelb Stolpen 3:1 (23, -23, 11, 23)

SSV Heidenau - VfL Pirna-Copitz 07 II. 3:0
SSV Heidenau - SV TuR Dresden 3:1
VfL Pirna-Copitz 07 II. - SV TuR Dresden 3:2

VC Dresden V. - VC Dresden VI. SSR 2:3
VC Dresden V. - SV Am Gorbitzbach 0:3
VC Dresden VI. SSR - SV Am Gorbitzbach 0:3

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